Kursbesuch oder Alleingang?

Die meisten Autoren von AT-Sachbüchern geben auch AT-Kurse. Als logische Konsequenz wird von ihnen auch immer zu solchen Kursen geraten. Sie werden selten in Frage gestellt, sondern sogar zur unbedingten Notwendigkeit erklärt.

 Am eindrücklichsten ist das Beispiel von Schultz, keinem geringeren als dem Schöpfer des AT. In all seinen Lernbücher steht:„auf keinen Fall länger als eine halbe bis höchsten eine Minute lang üben“. In jedem seiner Kurse sagte er jedoch wörtlich „sehen Sie, jeder kann sich doch in einer Buchhandlung meine Bücher über AT kaufen. Dann fangen die Leute an, ohne ärztliche Anleitung zu üben, und dann erleben sie Kopfschmerzen und andere, auch ernste gesundheitliche Schäden. Darum schreibe ich immer: Nicht länger als eine Minute übern! Dann lernen es die Leute nämlich nicht und können auch keinen Schaden davontragen“ (Thomas, 1989).

 Die am meisten beschriebenen Nebenwirkungen des AT sind Kopfschmerzen und Herzprobleme. Diese treten aber fast ausschliesslich nur bei Leuten auf, die schon vor dem AT-Beginn Probleme in diesem Bereich hatten. Viele messen vor allem den Organübungen gefährliches Potential ein, allen voran der Herzübung (siehe Kapitel 9.4 und 10.3).Hoffmann (2006), ein AT-Autor der zu Kursbesuchen mit ärztlicher Unterstützung rät, gibt jedoch eigenhändig zu dass „aufgrund banalen ärztlichen „Futterneides“ die Gefährlichkeit des AT in der Hand von Nichtärzten oft stark überbetont“ wird.

 Persönliche Meinung: Die Nebenwirkungen sind zudem nicht von aussen sichtbar, weshalb auch im AT-Kurs, wie beim alleinigen Training der Übende selber merken muss, dass etwas nicht stimmt. Die Kursgeber müssen zudem nicht unbedingt medizinisch auf hohem Niveau ausgebildet sein, das heisst, alles, was sie dem Übenden raten können, ist, mit den Formeln nicht zu experimentieren, bei Problemen die Übung abzubrechen und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen. Ein Verhalten, das auch dem Alleingänger meiner Meinung nach durchaus zugetraut werden kann. Die einzige Bedingung für den AT-Übenden ist: Er muss körperlich und geistig gesund sein. 

 Für den Alleingang sprechen folgende Gründe:

  • Man kann sein eigenes Lerntempo bestimmen und ist nicht deprimiert, wenn andere das AT schneller erlernen.
  • Obwohl ein gewisser Erfolgsdruck nützlich ist, kann sich zuviel Druck negativ auswirken.
  • nicht jeder hat genügend Zeit, Lust oder Geld, um an einem wöchentlichen Kurs teilzunehmen.

Allerdings haben Kurse sicherlich Vorteile, die sich dem Alleingänger nicht bieten und die über den medizinischen Aspekt hinausgehen:

  • Es ist erwiesen, dass das AT in der Gruppe leichter zu erlernen ist. Dafür macht Schultz (1973) „psychologische Sammelfälle“ verantwortlich, welche sehr kompliziert zu beschreiben sind.
  • Der wöchentliche Besuch ist ein Motivationsgrund, das Training aufrecht zu erhalten.
  • Der Leiter kann bei individuellen Problemen Lösungsansätze bringen und allfällige Fehler bei Übungen korrigieren. Auch können unter den Kursteilnehmer selber Erfahrungen und Tipps ausgetauscht werden.
  • Ein Nachteil beim Alleingang kann sein, dass sich Fehler, welche sich beim Lernverhalten einschleichen, summieren können. Man kann zwar den richtigen Weg wiederfinden, jedoch sind die damit gemachten Umwege mit Zeitverlusten verbunden.

Das meinen Kursleiterinnen:

Barbara Prinzing:„Die Grundübungen sollten immer von einem professionellen Seminarleiter geleitet werden, da man leicht die Techniken falsch lernt. „ 
Silvia Guggenbühl: Mit anderen Menschen zu üben motiviert mehr als Zuhause zu üben. Ein Gruppenleiter kann auch alle Fragen beantworten, die im Laufe des Kurses entstehen. Zudem widme ich in meinen Kursen einen Abend, um richtige Formeln zu bilden, die jeder einzelne Mensch sich eingeben kann. Jeder braucht eine andere Formel. Es ist nicht sinnvoll das AT alleine mit einem Buch zu lernen. Jeder Gruppenleiter kennt viele einfache Tricks, damit das üben leichter fällt.“ 

Zurückblickend muss ich sagen, dass es wohl doch besser ist, das AT mithilfe eines Kursbesuches zu erlernen. Denn oftmals ist der Druck einfach zu gering, dass man trainiert. Es kommen Gedanken auf wie, „momentan habe ich wichtigeres zu tun“ oder „das hat auch Morgen noch Zeit“. Mit einem Kurs hat man jedoch ein konkretes Ziel. Auch braucht die Beschaffung der Informationen auf eigene Faust viel Zeit und Nerven. Trotzdem kann ich jedem ein wenig Selbstengagement nur empfehlen, da dies die eigene Überzeugung in das AT stärkt und somit auch die Motivation und Erfolgschancen auf lange Sicht erhöht. Das AT ist aber im Alleingang wesentlich besser möglich, als in vielen Büchern geschrieben wird. 

 Interessiert man sich für einen Kurs, sollte man darauf achten, wie qualifiziert der Leiter ist. Oftmals wird das AT „nebenbei“ unterrichtet. So ist es von Vorteil wenn man einen Kursteilnehmer wählt, der nicht viele andere Kurse anbietet, sondern einer, der sich auf das AT spezialisiert. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Anzahl Teilnehmer nicht zu gross ist, denn nach Schultz (1973) ist eine Gruppengrösse von 12 bis 15 Leuten ideal.